Schriftbekenntnis

Wir bekennen den Glauben an die Inspiration, Wahrheit und Einheit der von Gott durch Menschen gegebenen Heiligen Schrift, von der wir im Anschluss an den Glauben der Alten Kirche, der Reformation sowie des Pietismus und der evangelischen Freikirchen mit dem Schriftbekenntnis der Freien Theologischen Hochschule Gießen von 2008 bekennen:

1. [Gotteswort:] Gott, der selbst die Wahrheit ist und die Wahrheit spricht, hat sich seinen Propheten und Aposteln in einzigartiger Weise offenbart, sie zu Verkündigern seines Wortes gemacht, die von seinem Geist getrieben geredet haben und durch die sein Geist geredet hat.
Die Schriften, in denen dieses prophetische und apostolische Gotteswort aufgezeichnet wurde, gelten mit Recht als heilige Schriften, die von Gott inspiriert sind, durch die Gottes Geist redet und die Glauben verdienen. Diese Schriften bilden den Kanon des Alten und Neuen Testaments.
Da also das, was die inspirierten Verfasser aussagen, zugleich vom Heiligen Geist ausgesagt ist, ist von den Büchern der Heiligen Schrift in ihrer ursprünglichen sprachlichen Gestalt zu bekennen, dass sie zuverlässig und ohne Irrtum das wahre Wort Gottes, das verlässliche Zeugnis seiner Offenbarung und das zu unserer Erlösung gegebene Heilswort sind.
In der göttlichen Herkunft der Heiligen Schrift gründet ihre Autorität als Norm für den Glauben und die Theologie der Kirche wie des Einzelnen.

2. [Menschenwort:] Zur Abfassung seines Wortes hat Gott Menschen erwählt, damit sie das, was er durch sie geschrieben haben wollte, als echte Verfasser – mit ihrer Sprache, ihren Fähigkeiten und angesichts konkreter geschichtlicher Hintergründe – niederschrieben.
Die Heilige Schrift ist dem Glauben und dem forschenden Verstand in Gestalt sprachlichgeschichtlichen Menschenwortes gegeben. Um zu verstehen, was Gott sagen will, muss der Ausleger sorgfältig ermitteln, was die biblischen Schriftsteller jeweils wirklich haben sagen wollen.
Weil sie in ihren Schriften die Wahrheit auf unterschiedliche literarische Weise, in geschichtlichen, prophetischen, poetischen, gleichnishaften Texten oder anderen Redegattungen ausgedrückt haben, muss der Ausleger nach dem Sinn forschen, den die biblischen Autoren in einer bestimmten Lage, Zeit und Kultur mit den in diesem Kontext gebräuchlichen Mitteln im Zusammenhang zum Ausdruck gebracht haben.
Es ist unangemessen, die Schrift anhand von Maßstäben für Wahrheit und Irrtum zu messen, die ihrem historischen Ursprung und ihrem Zweck fremd sind.

3. [Gotteswort im Menschenwort:] In der Heiligen Schrift zeigt sich, unbeschadet der Wahrheit und Vollkommenheit Gottes, seine tiefe Herablassung in das Reden durch menschliche Worte, so wie Christus als das ewige Wort Gottes menschliche Gestalt annahm. „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit … voller Gnade und Wahrheit“ (Joh 1,14). In der Gestalt, in der Gott sein Wort gegeben hat, ist es dem Ausleger zur Wahrnehmung aufgegeben. Die Heilige Schrift tritt dem Ausleger als eine Einheit in Vielfalt entgegen. Unter Beachtung
des innerbiblisch bezeugten Fortschreitens der Offenbarung ist Schrift mit Schrift zu erklären und im Licht der Christusoffenbarung zu lesen. Dabei bewirkt derselbe Geist, der die Schrift eingegeben hat, den Glauben an das, was sie sagt.