Hochschulgruppe vs. Gemeinde?

Das Abitur ist geschafft, das neue Semester steht an. Für viele bedeutet das einen Neuanfang:
Der erste Umzug. Raus aus dem Hotel Mama. Die erste WG. Eine neue Stadt. Neue Freunde. Eine neue Kirchengemeinde.

Hochschulgruppe!

Für viele Christen beginnt mit dem Besuch der Universität auch ihre Mitarbeit in einer „christlichen Hochschulgruppe“.
SMD, Campus für Christus und viele mehr machen eine hervorragende Arbeit an den Universitäten in Deutschland. Die Herausforderungen und Anfragen an den christlichen Glauben sind im universitären Umfeld – das Glauben und wissenschaftliches Arbeiten oft als unvereinbar betrachtet – enorm hoch. Das fordert heraus, neu über den Glauben nachzudenken.
Neue Fragen können zu tiefergehenden und ehrlicheren Antworten führen. Sie können aber auch dazu beitragen, den Glauben gänzlich hinter sich zu lassen.

Jeder Christ sollte sich deshalb auf dem Campus einer „christlichen Hochschulgruppe“ anschließen.

Jeder Christ sollte sich deshalb auf dem Campus einer „christlichen Hochschulgruppe“ anschließen. Dort wird man verstanden. Die Kommilitonen können die eigenen Schwierigkeiten gut nachvollziehen. Es gibt nützliche Tipps zur Kurs- und Professorenwahl und Vorträge auf akademischem Niveau. Außerdem singt und betet man gemeinsam. Und nicht zuletzt: Freundschaften (und manche Ehe) werden geschlossen. Eine „christliche Hochschulgruppe“ ist eine super Sache für alle Studierende und für den einen oder anderen Christen wichtiger als die eigene Gemeinde.

Kein Ersatz für die Gemeinde

Während ich Mitarbeit in der Hochschulgruppe jedem empfehle, ist Vorsicht geboten, sie nicht als einen Gemeindeersatz zu sehen. Eine Kirchengemeinde kann durch eine Hochschulgruppe nicht ersetzt werden – auch wenn sie christlich ist.

Eine Kirchengemeinde kann durch eine Hochschulgruppe nicht ersetzt werden.

Die Bereitschaft auf eine verbindliche Zugehörigkeit zu einer Kirchengemeinde zu verzichten, liegt oft in unserem Verständnis des Wesens der Kirche begründet (Was ist eigentlich das, was wir Kirche nennen?). Kirche ist doch da, wo „zwei oder drei im Namen Jesu“ versammelt sind.

Das Besondere einer Kirchengemeinde

Ich glaube, dass Gottes Sicht, wie er uns die Kirche in der Bibel erklärt, deutlich umfassender ist. Ja, so eine Kirchengemeinde kann manchmal ziemlich komisch sein. Eine Hochschulgruppe wird da vermutlich viel harmonischer ablaufen. Und ja, eine Kirchengemeinde wird manchmal auch etwas hinterwäldlerisch wirken. Aber dennoch ist die Kirche „die Braut Christi“. Es ist die Kirche in der der Geist Gottes wohnt. Es ist die Kirche, die Gott sich ausgedacht hat, um durch sie sein Reich zu bauen. In der Kirchengemeinde werden Menschen verändert und geheiligt. Eine Kirchengemeinde wird nicht alle akademischen Herausforderungen auffangen können, wie es die Hochschulgruppe kann. Und in manch einer Kirchengemeinde wirst du vielleicht der einzige „Akademiker“ sein. Ein Exot.
Und doch: Nirgends wirst du dem Himmel näher kommen, als in der örtliche Kirchengemeinde. Denn die Kirche ist keine menschliche Erfindung. Sie ist Gottes Schöpfung.

Nirgends wirst du dem Himmel näher kommen, als in der örtliche Kirchengemeinde.

Die Bibel zeigt uns, dass die Kirchengemeinde mit Gott in einem Bundesverhältnis steht, vergleichbar mit dem Bund der Ehe. Auch als Christen in der Gemeinden stehen wir, wie Ehemann und Ehefrau, in einem Bundesverhältnis zueinander. (Eph 5,22-33). Es ist die Kirchengemeinde, in der Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der heilige Geist gegenwärtig sind (Eph 2,19-22).

Jede Kirchengemeinde die du besuchst, wird fehlerhaft sein. Und trotzdem spricht sie mit einer göttlichen Autorität (Mt 28,18-20).
Sie verkündet das Evangelium, und lädt Menschen ein, an Jesus Christus zu glauben. Sie lehrt die christlichen Überzeugungen, um zu einem christlichen Leben zu befähigen.
Sie zeigt die unchristlichen Seiten in unserem Verhalten auf, und hilft uns Sünde zu überwinden (Hebr 10,25).
Wenn wir unser sündiges Verhalten mehr lieben als die Heiligkeit, wird sie uns aus Liebe weiterhin zurechtweisen (Mt 18,15-20; 1Kor 5,4-5). Sie leidet mit denen, die leiden. Sie feiert mit denen die sich freuen. Sie segnen Babys und beerdigen Senioren.
Wenn sich die Gemeinde am Sonntag zum Gottesdienst trifft, dann trifft sich nicht einfach eine Gruppe von gläubigen Menschen. Diese Gruppe ist Gottes auserwählte Gemeinschaft (1Petr 2,9).

Diese Gruppe ist Gottes auserwählte Gemeinschaft

Die Einstellung „Ich kann meinen Glauben auch ausleben, ohne zu einer Kirchengemeinde zu gehören“ widerspricht der DNA des Glaubens. Der christliche Glaube will in Gemeinschaft gelebt werden – eine Gemeinschaft die seit jeher den Namen Kirche trägt (was genau dann den Unterschied macht zwischen einer Kirchengemeinde und einer Hochschulgruppe ist dann Thema für einen neuen Artikel).

Liebe ich meine Gemeinde?

Wer Jesus liebt, sollte auch seine Gemeinde lieben.
Jesus zu lieben, aber nicht seine Gemeinde, ist wie seine Freunde zu mögen, es aber in ihrer Gegenwart nicht auszuhalten. Ja, in der Gemeinde mag es manchmal auch etwas ruppiger zugehen. Die Realität des Lebens ist aber nun mal nicht nur kuschelig und angenehm.

Kirche ist die Familie mit den Kindern, die dich während der Predigt nerven. Der Herr neben dir, dem eine Dusche gut tun würde. Die Dame mit dem schrecklichen Parfum. Durch den Glauben an Jesus Christus verbunden, bilden gerade diese vor Ort eine Kirchengemeinde. Egal wie komisch es auch wirken mag.

Weil wir zu diesem Körper gehören, sind wir mit Jesus Christus selbst verbunden.

Der unsichtbare Glaube wird in der örtlichen Kirchengemeinde sichtbar, ohne dabei die unsichtbare Realität einer weltweiten Christenheit und universellen Gemeinde aufzulösen (Eph 2). Ohne die Ortsgemeinde, wäre die Christenheit, dieser Körper Christi (Eph 5,29-30), nicht greifbar. Jeder Christ ist Teil dieses Körpers, genauso wie unsere Finger oder unser Kopf zu unserem Körper gehören (1Kor 12,12-31). Weil wir zu diesem Körper gehören, sind wir mit Jesus Christus selbst verbunden. Die Kirche ist der Körper von Jesus. Jesus ist untrennbar mit der Kirche verbunden (Eph 5,29-30).

Fazit

Warum solltest du also nicht nur in der Hochschulgruppe dein neues „geistliches Zuhause“ suchen? Weil du dich so von der Quelle löst, die dein geistliches Leben, und damit alle Bereiche deines Lebens, mit neuer Kraft und Energie füllt. Gott hat die Gemeinde als den Ort festgelegt, an dem wir herausgefordert, ermutigt, gestärkt, getröstet und wenn es sein muss auch korrigiert werden.

  1. Schließe dich verbindlich einer Kirchengemeinde vor Ort an.
    Im Zeitalter von Social Media und immer verfügbarer Mobilität, ist die Versuchung groß zum Wochenende immer oder zumindest häufig nach Hause zu fahren. Widerstehe diese Versuchung und schließe dich einer Gemeinde vor Ort an. Neuer Wohnort = Neue Gemeinde.
  2. Lerne neue Menschen kennen, und gib anderen die Gelegenheit dich kennen lernen.
    Punkt 1 und Punkt 2 gehören zusammen. Suche dir eine Gemeinde, die merkt wenn du mal einen Sonntag nicht da warst und ein echtes Interesse an dir als Mensch hat. Social Media und häufiges Reisen ersetzen niemals die Beziehungen die wir vor Ort aufbauen können. Dort wo du deinen Alltag verbringst, sehen dich die Menschen. Dort brauchst du Beziehungen. Dort brauchst du auch deine Gemeinde.
  3. Berücksichtige in deiner Zeitplanung eine aktive Gemeindezugehörigkeit.
    Als Student gibt es immer was zu tun. Hausarbeiten, Jobben, Feiern, Hochschulgruppe…
    Du hast nur für die Dinge Zeit, für die du sie dir nimmst. Plane eine aktive Gemeindezugehörigkeit fest ein. Du hast Fähigkeiten und Gaben, die die Ortsgemeinde bereichern werden. Sprich die Verantwortlichen in deiner Kirchengemeinde an. Sei eine freundliche Nervensäge, die auf der Suche nach Dienstmöglichkeiten ist. Es wird wahrscheinlich nicht der Traumjob sein. Meistens wird es, ähnlich wie bei Jesus, am ehesten mit dem Saubermachen oder aufräumen anfangen. Diene dennoch. treu und zuverlässig.
  4. Suche dir eine Hochschulgruppe, die dich ermutigt Teil einer Kirchengemeinde zu werden.
    Wenn eine Hochschulgruppe (oder ein Hauskreis oder etwas ähnliches) beansprucht dein neues geistliches Zuhause zu sein, sei vorsichtig! Gott hat der Kirchengemeinde einen besonderen Segen verheißen, nicht der Hochschulgruppe. Beide, Kirchengemeinde und Hochschulgruppen, können sich super ergänzen. Lass aber nicht zu, dass die Hochschulgruppe deine Gemeinde ersetzt.
  5. Verbringe Zeit mit Menschen, die in einer ganz anderen Lebenssituation sind als du.
    Sich ständig unter Menschen aufzuhalten, die in den gleichen Umständen und Herausforderungen wie man selbst stecken, kann zu einer ungesunden Schieflage im Leben führen.
    Die alleinerziehenden Mutter, der 14-jährige Pubertierende, oder aber die total verliebten Mittvierziger, sie alle tragen dazu bei, dass du den Blick für die Realität des Lebens behältst.

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