Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott : Eine Reflektion zum Bestseller im Kino

In diesen Tagen kommt „Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“ in die deutschen Kinos. Schon das Buch war ein großer Erfolg. Der Autor Paul Young berührt dabei die großen Themen des Lebens und verpackt sie in eine faszinierende Erzählung. Trauer und Freude, Leben und Sterben, Grausamkeit und Schönheit. Dabei steht vor allem das schwierigste und größte theologische Dilemma im Mittelpunkt: Die Güte Gottes und das Böse. Wo ist Gott mitten im Leid? Wenn er doch allmächtig ist, wieso greift er nicht ein? Während es Menschen innerlich zerreißt, scheint der Himmel zu schweigen.

Paul Young hat das Buch für seine Kinder geschrieben. Er wollte ihnen auf eine erzählerische Art sein Bild vom christlichen Gott näher bringen. Über viele Jahre hinweg sprach er mit Freunden und Familie über die Glaubensthemen, die ihn bewegten. Das Endprodukt ist „Die Hütte“, „a work of ‚true‘ fiction“, ein ‚wahrer’ Roman. Young schrieb nicht einfach eine Fiktion. Er möchte ein modernes ‚Gleichnis‘ schreiben, dass die Sprache und Gedanken Gottes wiedergibt. Spannend und gefährlich zugleich – denn alles was mit diesem Maßstab geschrieben wird, muss auch diesem Maßstab entsprechen. Allem was für sich beansprucht, Gottes Worte und Gedanken wiederzugeben, gebührt unsere größte und ernsthafteste Aufmerksamkeit. Und gerade deswegen hat schon das Buch – und bei dem Film ist nicht weniger zu erwarten – für eine große Kontroverse unter Christen gesorgt.

Der Inhalt

Die Hauptfigur des Buches ist Mackenzie Allen Phillips, der eines Tage eine Einladung von Gott erhält. Er möge ihn bei der Hütte im Wald treffen. Genau die Hütte, in der das letzte Lebenszeichen seiner Tochter gefunden wurde. Vier Jahre zuvor ist Macks Tochter Missy bei einem Ausflug in den Bergen verschwunden. Trotz polizeilicher Unterstützung bleibt am Ende nur die Gewissheit: Missy ist tot. Ermordet durch einen Sexualstraftäter. Eine schreckliche Situation. Mack bezeichnet diesen Moment als „die große Traurigkeit“. Schwere Schuldgefühle begleiten ihn von da an. Er zögert als er die Einladung Gottes erhält und überwindet sich schließlich dennoch zu fahren. Das Wochenende wir zu einer lebensverändernden, transformierenden Zeit. Er findet Erlösung von der schweren Vergangenheit. Durch die Kraft der Vergebung, das große Thema des Buches, lebt er befreit auf.

Die Bewertung

Young packt mit „die Hütte“ ein universell bedeutendes Thema an. Er schreibt mitreißend, bilderreich, und unterhaltend. Die Leserschaft wird emotional mitgenommen und die Diskussion von Mack mit Gott berührt die Seele der Leser. Es ist eine großartige Erzählung und es bleibt abzuwarten, ob es dem Regisseur gelingt, das Buch in einen Film umzusetzen, ohne das literarisch Wertvolle zu zerstören und nicht ins Kitschige abzurutschen. Wer das Buch liest, wird ebenfalls eine Sehnsucht nach der Veränderung von Mack verspüren. Vergebung und Versöhnung, die Liebe Gottes für seine Kinder, die Hoffnung und Zuversicht des ewigen Lebens, und die Liebe Gottes für seine Kinder sind zutiefst christliche Themen, die Young einer breiten Maßen wieder neu zugänglich macht. Wer „die Hütte“ liest, wird wieder neu herausgefordert, sich neu mit Gott und dem menschlichen Charakter auseinander zu setzen.

Aber gerade in dieser Auseinandersetzung liegt auch die große Schwäche. Young beansprucht ein ‚Gleichnis’ zu schreiben, einen ‚wahren‘ Roman. Die theologischen Aussagen des Buches, seine Darstellung der Dreieinigkeit Gottes (Jesus, der Zimmermann aus dem Nahen Osten, „Papa“ in Form einer afroamerikanischen Frau, und Sarayu, eine Verkörperung des Heiligen Geist, dargestellt von einer asiatischen Frau) und seine Darstellung von Jesus Christus, sowie die allgemeine Auseinandersetzung mit der Frage der Theodizee, also warum Gott oder Christus das Leid zulässt, sind äußerst fragwürdig.

Dreieinigkeit

Die Dreieinigkeit als drei unabhängige, voneinander getrennte und so deutlich voneinander zu unterscheidende Menschen darzustellen, ist aus christlicher Sicht nicht angemessen. Der christliche Glaube und die Lehre von der Dreieinigkeit sind zutiefst miteinander verwoben. Den dreieinigen Gott als drei eigenständige Personen darzustellen, bedeutet, drei Götter vorzustellen, also Tritheismus. Doch er ist ein Wesen in drei Personen, welche zwar unterschieden werden, in ihrer Einheit jedoch nicht voneinander zu lösen sind.. Die Dreieinigkeit bleibt ein großes Geheimnis und es ist eine schier unmögliche Herausforderung sie in einer angemessenen Art und literarisch oder filmästhetisch, in beiden Fällen auf Visualität gezielt, darzustellen. Sie aber, wie von Young gelöst, als Tritheismus wiederzugeben, geht an dem historischen christlichen Bekenntnis zur Dreieinigkeit vorbei. Über Jahrhunderte hat die christliche Kirche mit der Frage, wie die Lehre der Dreieinigkeit am besten in Worte gefasst werden kann gerungen. Es ging vor allem darum Unklarheiten im Glaubensbekenntnis zu vermeiden da der christliche Glaube an sich auf dem Spiel stand. Unklarheiten, wie sie jetzt bei Young zu lesen sind.

Jesus Christus – Christologie

Anstatt Christen Jesus als vollkommen Mensch und vollkommen Gott anzuerkennen, stellt Young uns einen anderen Christus vor. Die Einzigartigkeit dieser Einheit, dass Jesus eine Person, aber zwei Naturen in geheimnisvoller Weise miteinander verband, wird aufgelöst. Jesus wird als Mensch dargestellt, der auf die göttliche Kraft seines Vaters angewiesen war. Er selbst war eingeschränkt und abhängig. Unfähig selbst Wunder zu vollbringen. Eine so starke Verzerrung des allgemeinen, christlichen (orthodoxen) Gottesbildes bringt allerlei weitere theologische Verirrungen mit sich. Im Kolosserbrief 2,9 wird Jesus gerade die ganze Fülle Gottes zugeschrieben. Bei Young klingt es aber so, als wäre Jesus nur ein Mensch, der auf die Allmacht Gottes zugreift, jedoch nicht selbst über sie verfügt. Dabei gibt es keinen Menschen der Jesus gleich kommt. Mensch und doch Gott. Diese Inkarnation ist einzigartig.

Theodizee

Warum lässt Gott Leid zu? Die sogenannte Theodizeefrage  geht über die biblischen Aussagen hinaus. Die Ausführungen Youngs spiegeln postmoderne Ansätze wieder, die in ihren Ausführugne aber letztendlich auch post-biblisch. Young beanspruchte keinen theologischen Fachbeitrag, aber der Inhalt „der Hütte“ lebt zu stark von den theologischen Aussagen, als dass das Buch nicht gerade aufgrund seiner theologischen Vertrauenswürdigkeit beurteilt werden muss. Leider werden die Kernaussagen des Romans ihrem inhärenten Anspruch auf theologische Begründung und Fundierung nicht gerecht.

Das Buch beansprucht ein ‚wahrer‘ Roman zu sein. Das Grundmerkmal dieser Gattung ist jedoch die Fiktion. Ist es nun wahr, oder fiktiv? Es ist bedauerlich, dass die literarische Herangehensweise an zentrale Themen des Christentums an einer ungenauen Theologie scheitert.

Wenn der bekannte amerikanische Theologe Eugene Peterson in „Die Hütte“, den Nachfolger von John Bunyans Pilgerreise sieht – ein Buch aus dem 17. Jahrhundert, und weiterhin im Druck – sind das große Lobeshymnen, die so manch einen Leser im blinden Vertrauen zum Buch greifen lassen, oder zum Gang ins Kino motivieren. Leider werden dadurch die Gefahr der Verfälschung des christlichen Glauben und somit auch der Zerstörung des christlichen Lebens nur noch stärker ausgeblendet und ein theologisch kritisches Lesen verhindert. Der Film bindet sich an das Buch und wird die unorthodoxen Inhalte Youngs nur noch populärer machen und die theologisch falschen Darstellungen begünstigen. Zum Schaden vieler.

One thought on “Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott : Eine Reflektion zum Bestseller im Kino

  1. Interessant wäre es, auch zu schreiben, an welchen Stellen Film bzw. Roman theologisch scheitern. Wo erscheint denn „ungenaue Theologie“? Ich bin eher der Meinung, dass der Film Dreifaltigkeit und Theodizeeproblematik gekonnt auflöst und sich dabei auf 1 Joh 4,16 „Gott ist die Liebe“ beruft.
    Auch wüsste ich gerne, wieso die Ambivalenz in der Person Jesu hier falsch wäre. Jesus Christus ist sowohl Mensch als auch Gott – wie im Film…

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